007
11.10.2009, 12:44 Uhr
Martin
|
Hallo Pilcher,
Fragen über Fragen, gelle ... aber besser vorher Fragen, als hinterher ärgern... Richtig, ohne tragfähigen Untergrund wird das alles nix! Achtet bei der Bodenplatte darauf, dass diese gegen aufsteigende Feuchtigkeit isoliert ist und auch ggf. inkl. Fundamente gegen Wärmeverlust gedämmt. Hinterher ist da meist nix mehr zu machen! Auch bei der Planung an evtl. Ver- und Entsorgungsleitungen denken, falls ihr im Wiga z. B. einen Wasseranschluss (sehr praktisch) haben möchtet oder eine unterflurige Luftzuführung... gute Gelegenheit Rohre für ein Erdregister zu verlegen, wenn der Bagger eh den Garten kplt. durchwühlt...
Wir waren vor Auftragserteilung durchaus ein bisschen weiter gefahren um uns mehrere Wintergärten von verschiedenen Anbietern anzusehen. Schließlich ist das Invetitionsvolumen ja nicht gerade ein Pappenstil. Unsere Wege führten uns dabei auch nach Bayern, Rheinland Pfalz und NRW. Wichtig war uns, nicht nur "neue" Wintergärten zu sehen, sondern auch welche, die schon mehrere Jahre "funktionieren" und vor allem mit dem Besitzern über ihre Erfahrungen zu sprechen. Hat uns bei der Entscheidungsfindung schon sehr geholfen. Aber war auch sehr interessant, wie unterschiedlich intensiv sich diese mit Ihrem Wiga auskannten und beschäftigten. Wir haben die Wiga-Besichtigungstouren meist als Auflug geplant und dabei nen schönen Ort oder Stadt besucht...wenn man schon mal in der Nähe ist, gelle... War toll und wir konnten das Erlebte gleich intensiv diskutieren und unsere Planungen immer mehr konkretisieren... ganz wichtig ist, sich zu notieren, was man wo gesehen / erlebt hat und mögl. auch ein paar Fotos machen, damit man hinterher alles noch nachvollziehen und richtig zuordnen kann...
Eine schöne Ausstellung hat die Fa. Steinbach in Solms, Mittelhessen, rd. 100km nördlich von DA. Könntet ihr prima mit nem Ausflug in die alte Reichsstadt Wetzlar kombinieren und auf Goethes Spuren wandeln...:-) 70km weiter steht übrigens unser Wintergarten. Die Ausstellungshalle war damals erst im Bau, als wir unseren Wiga dort fertigen ließen.
Unser Holz-Alu-Wintergarten (7,50x4,50m) hat ein Satteldach mit 3,50m Firsthöhe. Große Höhe war uns wichtig wg. des Raumgefühls und ist sehr vorteilhaft für ein angenehmes Klima im Wiga. Im Gibel (nach Süd-Osten ausgerichtet) haben wir ganz links und ganz rechts unten je ein automatisches Kippfenstermit Insektenschutz (durch unsere eigene Unterflurbelüftung nur selten geöffnet) und im Dach ist ein Benelüfter. Werden, wie die Verschattungen, über eine Elsner1000 gesteuert. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Investitionen sehr sinnvoll waren. Der Wiga kann manuell bedient werden, "funktioniert" aber normal automatisch. So oft, wie sich das Wetter bei uns ändert, wird man bei nem großen Wintergarten ja sonst zum Bedien-Sklaven der Tasten, wenn alles nur manuell zu regeln wäre. Und schließlich ist man ja auch nicht immer zu Hause ... In den Traufeseiten haben wir eine PSK-Türe zur Terrasse hin und gegenüberliegend eine DK-Türe als separater Zugang, von innen und außen zu öffnen und abschließbar.
Die Beleuchtung erfolgt mit 36 in die Sparren eingelassene NV-Halogen-Birnchen, über zwei Trafos gedimmt. Die einen sagen Sternenhimmel, die anderen nennen es Flughafen-Landebahnbefeuerung...:-)
Der Wintergarten ist voll beheizbar, wird aber tat. nur an wenigen Tagen im Jahr "voll beheizt" (Weihnachten, Silvester, Familienfeiern etc.). Wir können bequem eine Tafel für 20 Pers. stellen. Die Sonne heizt den Wiga auch im Winter schnell auf, so dass wir ansonsten mit der Heizung abends nur die Nutzungszeit verlängern. Ist es mehrere Tage kalt und trüb draußen, ist es im Wozi viel gemütlicher und wir lassen die Temperatur im Wiga auf bis zu ca. 5-8°C fallen. Daher u. a. auch die thermischtrennende Türe!
Entlang der Fensterfronten haben wir Bodenkanalheizungen, durch die auch die Luftzuführung erfolgt. Wir haben rd. 25m Zuluftleitung als "Erdregister" im Garten verlegt. Ein großer Venti auf einem Schalldämpfer bläst nahezu geräuschlos Frischluft in den Wintergarten, die im Sommer teils bis zu 10° unter der Außentemperatur liegt. Dadurch können wir den Wintergarten ohne geöffnete Fenster belüften. War uns wichtigt, da sich die Hauswand unter den Kippfenstern sich im Sommer schon sehr arg aufheizt. Die Heizung und das Unterflur-Zuluftsystem wurde von uns bauseits erstellt, der Wiga funktioniert aber auch mit Kippfenstern und Benelüfter automatisch, so wie vom Wintergartenbauer geplant. Das Wichtigste zur Hitzebewältigung ist eh die kplt. Außenverschattung.
Da wir durch Vergrößerung der Heizflächen im Haus die Vorlauftemperatur auf 40-45° senken konnten, habe ich jetzt die Bodenkanalheizungen vor der Gibelfront mit Gebläse nachgerüstet, um den Wärmeschleier von den "kalten Scheiben" auch weiterhin zu ermöglichen. Im Zuge der Wohnzimmerrenovierung erfolgt nun auch ein neuer Fußbodenaufbau im WiGa. Wir verzichten im Wiga allerdings auf eine Fußbodenheizung, bauen in die Anbauwand am Haus aber voraussichtlich noch eine Wandflächenheizung (auch Kühlen im Sommer) mit ein. Wenn du noch in der Planung bist, empfehle ich gleich Bodenkanalheizungen mit Gebläse vorzusehen, die haben einen viel höheren Wirkungsgrad und funktionieren dann auch noch bei niedrigerer Heizmediumtemperatur, z. B. mit Solar oder Erdwärme.
Heute würde ich allerdings ernsthaft über ein "Geo-Solar-Konzept" fürs kplt. Haus nachdenken, also eine Wärmepumpe mit Erdkollektoren und Solaranlage für Haus inkl. Wiga. Bei der Beheizung stellen sich nämlich ein paar grundsätzliche Fragen. Hat der Wärmeerzeuger genügend Reserven zur Beheizung des Wintergartens (200-350W/m²) oder stehen noch Wärmedämmmaßnahmen am Gebäude an, durch die Reserven entstehen? Wie alt ist der Kessel, stehen in näherer Zukunft Veränderung an der Heizungsanlage an? Beim Thema Beheizung & Belüftung / Klimabewältigung scheidet sich meist die Spreu vom Weizen der Wiga-Bauer. Während Letzteres von einigen doch ganz gut bewältigt wird, sollte die Beheizung lieber mit den ensprechenden Fachleuten geplant werden. Da ist es mit ein paar Heizkörper setzen meist nicht getan. Zu viele Parameter des bestehenden Systems werden dadurch verendert/beeinflusst, ich sag nur hydraulischer Abgleich... Besser ist es, für Lüftung, Heizung und Kühlung ein Gesamtkonzept für Haus & Wiga zu planen, dann kann auch der Wiga einen entsprechenden Beitrag zur Energieeinsparung leisten. M. E. empfehlen Wiga-Anbieter auch deshalb sehr gerne den Wiga zu den Wohnräumen offen zu gestalten, um diese als Puffer zu nutzen. Die Wohnräume heizen dann den Wiga ein Stück weit mit, notfalls wird die Heizkreistemperatur etwas angehoben und schon passt es...;-(
Upps, jetzt ist das Posting aber lange geworden. Ganz schnell noch: uns war bei der Entscheidung wichtig, dass der Wiga-Bauer auch dann noch "gut" ist, wenn es Probleme gibt, ggf. ja erst ein paar Jahre später. Auch da haben wir mit unserem Anbieter ganz gute Erfahrungen gemacht. Gerne maile ich dir mal ein paar Bilder unseres Wintergartens von der Entstehung im Werk (http://i34.tinypic.com/140addx.jpg) über den Aufbau (http://i38.tinypic.com/15n3xmt.jpg) bis zur Nutzung (http://i38.tinypic.com/33bk9qf.jpg). Vom Aufbau des Wigas haben wir auch ein Video gedreht. Ist interessant zu sehen wie das Teil vor Ort wächst. Wenn du Interesse hast, kann du da ja auch mal rein schauen.
Viele Grüße von Hesse zu Hesse und noch einen schönen Sonntag
Martin |