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Luftkollektor

Autor Thread - Seiten: > 1 <
000
21.09.2009, 13:12 Uhr
fridold


Hallo liebes Forum

wir planen einen anbau an unser bestehendes vereinsheim. das dach soll als luftkollektor ausgeführt werden.
die Sparren des neubaus werden ca 4m lang sein und ca 1m auseinander stehen. darunter kommt ein unterdach und isolierung. statt dachziegel soll glas eingesetzt werden, aus dem darunterliegenden zwischenraum wird die warme luft abgesaugt und zur beheizung verwendet. das funktioniert und ist nicht inhalt der fragestellung.
nun stellt sich die frage welches glas sollen wr verwenden großes g und kleines k aber preiswert soll es auch sein.
sollen wir die scheiben zwischen die sparren oder auf die sparren setzen? wir bekommt man das kostengünstig dicht?
vielleicht könnte mir jemand hier mit konkreten daten helfen?
vielen dank einstweilen
mfg fridold
001
11.10.2009, 15:18 Uhr
Martin


Hi fridold,

das ne Warmluftheizung funktioniert ist schon klar. Gibt da ja auch mehrere Anbieter von Warmluftkollektoren auf dem Markt (z. B. http://www.hess-shops.de/SolarVenti/Solarklimaanlage-mit-SolarVenti-Solaranlage-heizen-und-kuehlen.html). Mich interessiert dabei aber, wie soll bei euch die Wärme eigentlich in die Räume? Sollen Wände und Fußboden in Anlehnung an die römischen Hypokaustenheizungen ausgebildet werden?

Für dieses Doppeldach muss dann aber schon hochwertiges Wärmeschutzglas sein, um bei geringerer Einstrahlung noch etwas Wärme ernten zu können. Nur kostengünstig...das wird dann schon schwieriger.. mit rd. 400 € pro m² Dachfläche müsst ihr für Glas, Profile, Abdichtung usw. schon rechnen....;( Wieviel qm hat das Dach des Anbaus? o.k., es muss kein VSG sein, da ja Unterdach. Ist aber das Glasdach nicht viel zu schade, um von unten verbrettert zu werden?

Folgende Fragen kommen mir spontan dazu noch in den Sinn:

- Wann wird im Vereinsheim Wärme gebraucht? Deckt sich das zu einem sehr hohen Prozentsatz mit dem Anfall des Sonnenlichts, da Luft ja ein schlechter Wärmespeicher und -leiter ist?
- Ist die Dachneigung um 45° und nach Süden ausgerichtet, dass von Herbst bis Frühjahr überhaupt Wärme von der Sonne geerntet werden kann?
- Welche (Beschattungs-)Maßnahmen sind für den Sommer geplant, damit das Gebäude nicht total überhitzt?

Der Fortgang und das Ergebnis der Planungen interessieren mich. Wäre sehr schön, wenn du uns hier im Board weiter informieren würdest...


Viele Grüße

Martin
002
11.10.2009, 18:51 Uhr
fridold


hallo,
danke für die antwort. 400€ /qm wäre indiskutabel.
da der anbau in nordwestausrichtung steht besteht keine gefahr der überhitzung. glas mit 1,1-wert gibt es für 30€. was teuer ist sind die halteprofile.
ob genug sonne reinkommt soll derzeit ein dauerversuch klären. aber selbst heute bei bewölkten himmel waren mittags 40 grad im probekollektor.
das gebäude ist sehr gut isoliert. so dass das gebäude selbst als wärmespeicher dient

mfg fridold
003
13.10.2009, 22:36 Uhr
Martin


Tja, nicht nur Glas und Profile auch verwindungsfreie Sparren sind erforderlich... ohne Brettschichtholz wirst du den Kolletkor nie dauerhaft dicht und wäremeisolierend bekommen...

Nordwestausrichtung, naja, im Sommer steht die Sonne ja fast senkrecht, da kommt im Kollektor trotzdem jede Menge Wärme an...;-)

Aber für den Winter,ist die Ausrichtung dann doch alles andere als optimal...welche Dachneigung habt ihr?

40° klingt gut...bei welchem Volumenstrom? d.h., wieviel m³ Luft durchstömen derzeit den Kollektor pro Std. und welche Außentemperatur herscht derzeit...wichtig, um den tat. Wärmeeintrag für Anfang Oktober feststellen zu können...

Aus welchen Materialien ist das Gebäude gebaut, d. h., wie viel kw/h als Wärme kann der Bau speichern?
004
13.10.2009, 22:58 Uhr
fridold


hallo,

die temperaturen sind einstweilen im stillstand gemessen. heute hatten wir außentemp. 8 grad. im kollektor 42 grad. zum einsatz soll ein temp.geregelter lüfter kommen.
brettschichtholz ist klar, aber dachbalken werden eh benötigt. dann halt die etwas teueren leimbinder. darauf 1.1 wärmeschutzglas 4/16/4 . die schwarzen alulamellen werden im winkel von 45 grad eingebaut, mit dachneigung ergibt das 67 grad.... durch das flache dach haben wir auf der rückseite des absorbers die morgensonne und ab mittags 13 uhr wird das absorberblech auf der vorderseite bestrahlt...soweit die überlegungen.
was noch unklar ist, welche profile verwendet werden sollen, die auch noch bezahlbar sind.
mfg fridold
005
14.10.2009, 10:30 Uhr
Martin


Messungen im Stillstand bringt leider nicht viel, da du ja eigentlich den tat. Wärmeeintrag ermitteln willst und nicht irgend eine Spitzentemperatur auf den Absorberflächen, oder?...

Das Gebäude hat einen Jahreswärmebedarf von xxxxxkw/h (bekannt?), allerdings recht unterschiedlich über die Jahreszeiten verteilt.

Der Wärmeeintrag der Sonne ist zum Heizenergiebedarf leider gegenläufig, zum größten Bedarf am niedrigsten und umgekehrt. Daher solltest du z. B. das Thema Überhitzung im Sommer nicht so einfach vom Tisch wischen.... m. E. muss du entweder eine kplt. Verschattung des Daches oder/und eine Be- und Entlüftung des Kollektors vorsehen, sonst wird aus dem Vereinheim ein Backofen mit Oberhitze...da nützen selbst 50cm Dämmstoff im Zwischendach nix... und die Abdichtungsbahnen schmelzen dir natürlich auch weg... aber du kannst ja Kupferrohre zur kostenlosen Warmwassererwärmung für die Duschen (?Sportlerheim?) mit rein legen...

Aber wieder zum Winter, also dann, wenn die meiste Heizenergie benötigt wird:
Der Sonnenstand wird noch gut zwei Monate immer flacher und die Sonnenscheindauer verkürzt sich auch weiter. Die Bedingen jetzt sind etwa so wie Ende Feb/Anfang März.
Da die "Ernte" am größten ist, wenn die Sonne mögl. im Winkel von 90° darauf trifft, sollten die Absorberflächen um so steiler stehen, je flacher der Sonnenstand ist. Damit bist du mit deinen 67° schon mal ganz gut dabei! Willst / kannst du die Absorber verstellbar machen, so dass sie dem Lauf der Sonne folgen? Die Idee, die Absorgerflächen morgens von der Rück- und nachmittags von der Vorderseite bescheinen zu lassen klingt genial! Leider schlägt die Sonne im Winter ja nur einen sehr kleinen Bogen und du bist von den "Idealbedingungen", also 90° Auftreffwinkel, am weitesten entfernt...;( Die Absorberleistung ist also mittags, wo die Sonne die meiste Kraft hat, am aller geringsten... u. a. werden Sonnenkolletoren deshalb ja mögl. genau auf Süden ausgerichtet, oder noch besser, folgen dem Sonnenlauf!

Hast du auch bedacht, dass dein Glasdach die Sonnenstrahlen um so stärker reflektiert, je flacher der Winkel wird in dem diese auf das Glas treffen...Absorberstellung hin und her? Daher sind im Winter südl. Wandflächen für die solare Ernte sogar besser geeignet als Dachflächen und werden Solaranlagen auf Flachdächern ja aufgeständert. Die Reduktion der Reflektion wir bei Sonnenkollektoren inzwischen schon durch den Einbau von entspiegeltem Glas etwas reduziert. Der abnehmenden Effizienz des Luftkollektors kannst du durch entsprechende Vergrößerung der Fläche entgegenwirken. Will heisen, wenn deine Dachfläche im Verhältnis zum Wärmebedarf des Gebäudes sehr groß ist, kanns du es trotzdem warm bekommen ... allerdings erkauft durch höhere Investions- und Betriebskosten...;(

Nächstes Thema, Wärmespeicherung:
Wie wird das Vereinsheim in der dunklen Jahreszeit genutzt? Nur nachmittags oder auch abends? Morgens / vormittags doch sicherlich nicht oder? Du willst, wenn ich es richtig verstehe, das Gebäude richtig aufheizen, wenn die Sonne schein, so dass es auch dann noch schön warm ist, wenn die Sonne nicht mehr scheint, also Prinzp Kachelofen richtig? Das sehr träge Heizsystem ist eine sehr gute Idee, widerspricht zwar der gängigen Meinung, dass gelgentlich genutzte Gebäude über schnell wirkende Heizsysteme verfügen sollen, aber es gibt ja genügend Beispiele, nicht immer die "gängige Meinung" auch die richtige sein muss, gelle...

Dafür brauchst du im Verhältnis zum Volumen des Nutzraums sehr große und gute Wärmespeichermedien und die Wärme sollte mögl. über große, am besten raumumhüllende Flächen wieder abgeben werden. Aus welchen Materialien besteht das Gebäude? Dicke Backsteinwände wären hierfür ideal! Heizung mit hohem Anteil an Wärmestrahlung wird zudem als sehr angenehm empfunden und die Raumlufttemperatur kann dann ruhig auch ein paar Grad niedriger sein, als bei Heizungen mit hoher Luftbewegung.

Die Wärmespeicher müssen sich natürlich auch aufladen können, am Besten funktioniert dass, wenn sie von der Warmluft umströmt werden, Prinzip Hypokaustenheizungen der alten Römer. Ideal sowohl im Fußboden, als auch in Wänden und an der Decke. Wenn die Wände gute Wärmespeicher sind, aber keine Hohlräume für einen separaten Luftkreislauf haben (z. B. Vollziegel), müsste das auch nach dem Prizip der "Heizleisten" funktionieren. Die heiße Luft wird aus dem Luftkollektor abgesaugt und in einen Luftkanal auf dem Fußboden entlang der Wände geleitet. Die Luft steigt direkt an der Wand auf und erwärmt diese. Idealerweise durchströmt die heise Luft natürlich auch Fußboden und Decke und wird abgekühlt wieder in den Luftkollektor gesaugt...so 40° aufwärts müsste die Luft aber schon haben. Da Luft ein schlechter Wärmespeicher und Wärmeleiter ist wirst du m. E. das Gebäude als Wärmespeicher vergessen können, wenn du mit dem Luftkollektor nur die Raumluft erwärmst, selbst beim Aufheizen auf 30°...nach dem ersten Lüften und fehlendem Wärmenachschub kühlen die Räume dann sehr schnell aus...;(

Alternativ verfügt natürlich Wasser über das beste Wärmespeichervermögen. Das Vereinsheim ist nicht zufälle von nem Schwimmverein? Dann könntest du das Schwimmbecken als Pufferspeicher nutzen...

Hast du evtl. auch ein paar Bilder, Skizzen, Zeichnungen zu deinem Vorhaben? Halt uns mal auf dem Laufenden, wie das Projekt sich entwickelt und was deine weiteren Messungen, mögl. auch vom Wärmeertrag, in den nächsten Wochen ergeben...
006
14.10.2009, 11:45 Uhr
Martin


als Ergänzung wollte ich dir noch kurz eine Zahl nennen: mal angenommen, dein Gladdach ist optimal zur Sonne ausgerichet, dann kannst du die im Winter die gewinnbare Energie, bei der Strahlungsdichte von 50 W/m² (Streulicht), leicht selbst ausrechnen, also je 20m² Einstrahlungsfläche ca. 1 KW. Wenn du jetzt noch die Heizlast für das Vereinsheim kennst, kannst du überschlägig abschätzen, ob dein Vorhaben funktionieren kann....theoretisch zumindestens...

Wahrscheinlich kennst du diesen Link zu einer Bastellösung bzgl. Hausbeheizung mit Luftkollektor ja schon, trotzdem für alle Leser hier im Forum mal als Info: http://www.copy-net.de/Solar/Solar_neu.html

Leider hat der Besitzer keine aktuellen Zahlen über einen längeren Zeitraum eingestellt, aber als Hintergrundinfo durch die rosarote Brille betrachtet doch ganz gut geeignet... z. B. kapitale Fehler in der Planung eines Luftkollektors zur Heizungsunterstützung zu verhindern...
007
14.10.2009, 15:39 Uhr
fridold


Hallo martin,
danke für deinen Beitrag.
Wegen der Überhitzung im Sommer stelle ich den Absorber praktisch senkrecht, dann fällt kein Licht drauf. Deswegen auch glas und keine Stegplatte. der Leimbinder hält die ca. 150grad aus, sowas hat veco aus deinem link mal angegeben.
Gerade war ich mal schauen. außentemp, 5 grad Kollektorinnentemp 48 grad. allerdings stillstand das ist schon richtig. die höchsten temperaturen habe ich derzeit zwischen 13 und 15 uhr.
derzeit hätte ich ca. 5 std lang temperaturen deutlich über raumtemperatur.
deswegen habe ich ja mal den probeaufbau gemacht um zu sehen was ich im okt/nov an temperaturen erwarten kann. dass die stillstandstemperatur höher ist , als bei bewegter luft ist klar.

bei der einstrahlung bin ich mal von 100W/m2 ausgegangen. der Heizbedarf liegt unter 40W/qm die gebäudefläche beträgt 400qm.

die außenwände bstehen aus einem styropordämmstein , die innenwände sind aus gipsdielen gefertigt.
gelüftet wird über eine zentrale lüftungsanlage mit WRG.
irgendwelche speichermassen einzubauen fällt aus. das einzige wäre die Raumluft bzw die bestehenden gipsdielen zu erwärmen.
pläne gibt es einstweilen nicht.
mfg fridold
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